Emotionale Lösungen für technische Probleme

Der Titel dieses Textes ist angelehnt an den Titel des Vortrages „Politische Lösungen für technische Probleme“ von Linus Neumann (sehr unterhaltsam). Wer den Vortrag kennt, ist sich der Absurdität dieses Ansatzes bewusst. Nachfolgend ein Streifzug durch die Tiefen des Internets und die spannenden emotionalen Lösungen für technische Probleme im Bezug auf Audiotechnik. (Die im Text beschriebenen Dinge sind zum großen Teil die persönliche Meinung des Autors.)

Musik ist häufig mit vielen Emotionen belegt. Und das ist gut so. Musik kann Emotionen auslösen und transportieren. Das ist ein wesentlicher Charakterzug der Musik und wichtig für ihren Unterhaltungswert in unserer Gesellschaft. Jeder Komponist, Texter oder Arrangeur macht sich ausführliche Gedanken dazu, wie er diese Gefühle an den Hörer weitergeben kann. So weit so gut.

Kommen wir zum nächsten Schritt in der Musikproduktion. Ist das Musikstück fertig, soll es aufgenommen, gemischt, gemastert und veröffentlicht werden. Dies ist zu sehr großen Teilen ein technischer Prozess. Sollten auch hier emotionale Entscheidungen getroffen werden? Durchaus. Sollten alle Entscheidungen emotional getroffen werden? Auf keinen Fall! Mir kommt es in letzter Zeit häufig so vor, als würde der Satz „Musik ist Emotion“ speziell von tontechnischen Laienproduzenten immer wieder als Ausrede für technisch unsaubere Arbeit hergenommen, weil „sonst wird die Kreativität eingeschränkt“. Als gelernter Techniker und Toningenieur in spe stellen sich mir bei solchen Aussagen die Nackenhaare bis zur Decke auf. Wenn man sich im Internet auf verschiedenen Foren herumtreibt, liest man allerhand Merkwürdigkeiten. Sowas wie: „Ein Gesangsmikrofon ist nur für Gesang, Instrumente klingen damit immer schlecht“ (gemeint war ein Großmembrankondensatormikrofon). Oder: „Bei dem Interface hab ich ein gutes Gefühl und das ist bei Musik ja das Wichtigste. – Upps… jetzt hab ich zwei Eingänge zu wenig.“ Oder: „Ich bin seit mehr als 10 Jahren in der Musikproduktion tätig, ich weiß also was ich tue. Aber mein Masterkanal übersteuert immer, wenn ich alle Spuren auf 0dB normalisiere. Das muss doch ein Softwarebug sein.“

 

Wir leben in der tollen Zeit, in der jeder für wenig Geld wirklich brauchbares Aufnahmeequipment bekommen kann. Musik zu Produzieren war nie so leicht wie heute. Der ultimative Nachteil: Fachwissen lässt sich nicht kaufen. Das geht beim Einpegeln los, über die Benutzung elementarer Bearbeitungsschritte bis hin zur Unterscheidung von Send- und Inserteffekten.

 

Ich persönlich versuche immer technisch so sauber und genau wie möglich zu arbeiten. Bis zu einem gewissen Grad sind auch Aufnahme und Abmischung eine Art Handwerk und das will gelernt sein. Und mit einer technisch sauberen Basis kann ich mich viel besser auf die kreative Arbeit konzentrieren, ohne dass ich ständig auf Pegel oder ähnliches schauen muss.

 

Häufig muss ich mir für meine Einstellung zu diesem Thema Anfeindungen gefallen lassen. Besserwisser und Erbsenzähler sind noch die netten Worte, mit denen man belegt wird. Aber das ist mir egal. Nun noch ein Appell an alle Neueinsteiger in die Musikproduktion: Macht euch mit den technischen und physikalischen Grundlagen vertraut, das macht das Leben sehr viel einfacher. Beenden möchte ich den Beitrag mit einem Zitat meines Sporttrainers: „Physik gilt für alle gleich, auch wenn man nicht daran glaubt.“

 

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Moritz Schmidt

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